Blick vom Jézuskiáltó-Hügel auf Székelykeresztúr, Siebenbürgen (Rumänien) Autor: SudikaWir förderten von 2009 bis 2024 das Kerekudvar als Bildungs- und BegegnungshausBannerbildBannerbildBannerbildBannerbild

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Wir arbeiten seit 1990 zugunsten von elternlosen Kindern und Jugendlichen im Kreis Harghita in Rumänien.

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Chronik

Die Anfänge

Erste Erfahrungen von Mitgliedern der Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V. mit dem Land Rumänien reichen in das Jahr 1984 zurück. Diese waren geprägt von der Faszination über die Landschaft und ihre Menschen, aber auch von der Fassungslosigkeit über die Lebensumstände und die Auswirkungen der Politik des damaligen Ceausescu-Regimes.
In den folgenden Jahren entstand aufgrund dieser ersten Begegnungen ein Hilfsprojekt, durch welches – zumeist illegal –  Medikamente, Verhütungsmittel, Literatur, Lebensmittel etc. nach Rumänien transportiert wurden. Die Unterstützung richtete sich an Familien und Gemeinden der Bezirke Harghita und Covasna, die wesentlich von Menschen der ungarischen Minderheit in Rumänien besiedelt sind. Sie waren unter Ceausescu besonderen Repressalien ausgesetzt.


Ein Kinderheim in Rumänien

Nach dem Sturz des Ceausescu-Regimes fuhren im April 1990 zwölf junge Menschen der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bautzen St. Petri mit einem Hilfstransport nach Rumänien. Ihr damaliger Gemeindepädagoge Rüdiger Steinke war durch Vermittlung von dortigen Partnern dort auf das zweitgrößte Kinderheim Rumäniens in Cristuru-Secuiesc im Bezirk Harghita gestoßen. Es lebten zu diesem Zeitpunkt dort ca. 600 Kinder, die zu ca. 65 % aus Romafamilien kamen. Die Erfahrungen und Eindrücke dieser Reise waren für die Teilnehmenden zutiefst bewegend. Die Zustände, unter denen diese Kinder aufwuchsen, erschienen unerträglich und menschenunwürdig. Allen war klar, dass hier mehr als ein Hilfstransport nötig war. Was die Kinder am nötigsten brauchten, waren liebevolle Zuwendung, Menschen, die mit ihnen spielten, mit ihnen Lieder sangen, Späße machten oder sie trösteten.

 

Nach ihrer Rückkehr waren die Teilnehmenden von der Idee erfasst, einen  Freiwilligendienst zu entwickeln, durch den deutsche Jugendliche für ein bis zwei Jahre in dem rumänischen Kinderheim direkt mit leben und arbeiten könnten.

 

Innerhalb kurzer Zeit war die Initiative in Bautzen bekannt und es konnten erhebliche Spendenmittel akquiriert werden. Im Herbst 1991 zogen die ersten sechs Jugendlichen für ein Jahr nach Rumänien. In der Zeit von 1991-2003 arbeiteten jeweils vier bis sieben junge Leute zumeist für ein, manche auch für zwei Jahre in dem rumänischen Kinderheim als sozialpädagogische Helfer. Insgesamt wurden durch diese Initiative 63 Freiwillige zur Arbeit nach Cristuru-Secuiesc entsendet. In Bautzen gründeten 1993 die an der Initiative Beteiligten den Verein „Rumänieninitiative Bautzen e.V.“.

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Unsere Arbeit nach Auflösung des Kinderheimes

Zwischen 2001 und 2003 wurde das Kinderheim im Zuge der EU-Beitrittsmaßnahmen aufgelöst. Alle Kinder und Jugendlichen des Heimes kamen in kleineren Wohngruppen unter, meist in eigens angemieteten Neubauwohnungen oder auf Bauernhöfen. Kinder unter zwölf Jahren wurden zunächst mit finanziellen Anreizen in Pflegefamilien vermittelt. Die meisten dieser Kinder verließen die Pflegefamilien schon bald und lebten dann ebenfalls in den Wohngruppen, welche bis heute Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren beherbergen.

 

Was zunächst positiv klingt, verbesserte die Lage der Kinder und Jugendlichen nur wenig, da sich das grundsätzliche Betreuungsverständnis für sie nur langsam änderte. Ein echtes pädagogisches Verständnis zur notwendigen und sinnvollen Förderung der Kinder war und ist nach wie vor unterentwickelt. Die vom rumänischen Kinderschutzbund angestellten Erzieherinnen verfügen selten über eine notwendige pädagogische Ausbildung und sind meist wenig motiviert, die Kinder nicht nur zu reglementieren, sondern sie auch zu fördern.

 

Die Arbeit der Rumänieninitiativgruppe Bautzen wurde in den ersten Jahren  durch korrupte Verhältnisse im Kinderheim sowie auf den politischen Ebenen des Ortes sehr erschwert. Auch nach der Auflösung des Kinderheimes war die Arbeit oft abhängig von dem guten Willen der Behörden, den Kindern die Teilnahme an den von uns angebotenen Aktivitäten zu gestatten.

 

Die Rumänieninitiative Bautzen e.V. beschloss nach der Auflösung des großen Kinderheims im Jahr 2003, die sozialpädagogische Arbeit mit den ehemaligen Heimkindern sowie Kindern aus sozial schwachen Familien des Ortes Cristuru-Secuiesc fortzuführen. Als Partner wurde in Cristuru-Secuiesc ein Trägerverein namens „Fehérlófia“ gegründet. Geleitet wurde der Verein bis 2020 von Frau Hajnalka Mátéffy . Sie wurde zur Hauptbezugsperson und Leiterin der sich neu konstituierenden Arbeit mit den elternlosen Kindern.

 

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Von Fehérlófia bis Kerekudvar

Seit 2005 wurde die gesamte Arbeit durch den Verein Fehérlófia vor Ort verantwortet, organisiert und geleitet. Bis Ende 2024 wurden jedoch nahezu 100 % der Personal,- Betriebs - und Sachkosten von der RIG aufgebracht. Die Mitarbeiterinnen des Vereins Fehérlófia organisierten verschiedenste Programme und Aktivitäten, an denen die inzwischen verstreut lebenden Kinder und Jugendlichen des ehemaligen Kinderheims sowie auch alle anderen Kinder und Jugendlichen sowie interessierte Bürger des Ortes teilnehmen konnten. Ziel war die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen sowie die Anregung eines neuen Blickes auf sich selbst, das Gemeinwesen und die eigene Rolle darin. Menschen sollten ermutigt werden, ihr Gemeinwesen selbst zu gestalten und sich zunehmend als aktive Bürgerschaft verstehen.


Die Programme von Fehérlófia fanden bis Oktober 2009 in einer Wohnung sowie in gemieteten Räumen der katholischen Gemeinde statt. Dies machte Kontinuität und eine solide Entwicklung der Arbeit sehr schwer. Teil einer Vision war darum seit Beginn der Tätigkeit des rumänischen Vereins die Errichtung eines Bildungs- und Begegnungszentrums. Nach zwei Jahren intensiver Suche nach einem geeigneten Projekt und einer finanziellen Lösung wurde die Vision Wirklichkeit: Am 10. Oktober 2009 wurde in Cristuru-Secuiesc ein Haus eingeweiht – das Kerekudvar.

 

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Unsere Arbeit im Kerekudvar

„Kerekudvar“ bedeutet „Rundhaus“ oder „runder Hof“. Auch wenn das Haus eckig ist, war der Name Programm: Die Ungarn errichteten früher ein rundes Haus in der Dorfmitte, welches als Mittelpunkt für soziale Kommunikation, politische Entscheidungen und gestaltete Gemeinschaft diente.


Dank der Jugendsolidaritätsaktion „genialsozial“, des Rotary Club Dresden Blaues Wunder und des Rotary Christoffel Bern/CH sowie des Bauunternehmers Bernhard Pech aus Bautzen sowie weiterer Unterstützer, Helferinnen und Spender wurde der Kauf und die Einrichtung des Hauses im Zentrum von Cristuru-Secuiesc möglich. Die Arbeit des Vereins Fehérlófia bekam damit eine neue Dimension und die Möglichkeit, in eigenen und geeigneten Räumen zu arbeiten und sich den enormen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen.

 

2011 beschlossen der Verein Fehérlófia und die Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V., die Entsendung von Freiwilligen aus Deutschland nach 21 Jahren einzustellen. Es zeigte sich, dass die Arbeit vor Ort mit den Kindern nunmehr besser von Einheimischen zu leisten ist. Außerdem konnte die notwendige Betreuung der Freiwilligen nicht sichergestellt werden, ohne damit die die anderen Arbeitsfelder einzuschränken.

 

Seit 2009 hat sich die Arbeit im Kerekudvar unter Leitung von Hajnalka Mateffy dynamisch und kontinuierlich entwickelt. Zunächst richtete sie sich wie bisher an die elternlosen Kinder und Jugendlichen in Cristuru-Secuiesc, die in ihrer Freizeit aber auch im Rahmen von schulischen Programmen das Haus aufsuchen. Es wurden neben offenen sozialpädagogischen Aktivitäten von Anfang an spezielle Förderprogramme initiiert, die den Kindern helfen sollen, entwicklungsbedingte Defizite aufzuholen und auszugleichen. Der wertschätzende Umgang und die individuelle Entdeckung ihrer Fähigkeiten, Interessen und Begabungen stehen im Mittelpunkt.

 

In dieser Zeit entstand auch eine zunehmend konstruktive Kooperation mit der örtlichen Kinderaufsichtsbehörde. Die Arbeit im Kerekudvar wird von der Abteilung Kinderschutz der Bezirksverwaltung sehr geschätzt und gewürdigt. Dies hat leider keine Auswirkungen auf eine finanzielle Unterstützung der Arbeit. Der Behörde stehen keinerlei Mittel für freiwillige Aufgaben zur Verfügung. Die Finanzierung der laufenden Arbeit erfolgt über den langjährigen und regelmäßig spendenden Freundeskreis der RIG sowie über Drittförderung. ln den Jahren nach Eröffnung des Hauses von 2009 bis 2012 stellte beispielsweise die Walter-Gastreich-Stiftung dem Verein eine Förderung für Personalkosten zur Verfügung. Weitere wichtige Förderungen erfolgten durch die Sächsische Jugendstiftung, die Diakonie Sachsen, die Rotary Clubs Dresden Blaues Wunder und Christoffel Bern/CH sowie das Landesjugendpfarramt Sachsens.

 

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Offene Arbeit im Kerekudvar seit 2020

Schon seit Gründung des Hauses war es den Verantwortlichen wichtig, es in die Stadt hinein zu öffnen und Angebote auch anderen Kindern, Jugendlichen und Familien zugänglich zu machen. So entwickelte sich das Kerekudvar zu einem wichtigen sozialen und kulturellen Ort für die Stadtgemeinde, mit verschiedensten Workshops, Kreisen und Veranstaltungen.

 

2020 war für das gesamte Projekt ein Jahr des Umbruchs. Im Frühjahr trafen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie die Menschen in Rumänien hart. Mitte März musste auch das Kerekudvar vorübergehend geschlossen werden.

 

In dieser Zeit erkrankte unsere langjährige Hausleiterin Hajnalka Mátéffy so schwer, dass sie nur wenige Monate später, am 5. Juli 2020, verstarb. Diese Nachricht traf den Verein unvorbereitet. Hajnalka hatte die Arbeit im Kerekudvar und das Leben vieler Kinder und Jugendlicher mit ihrer Persönlichkeit und ihrem unermüdlichen Engagement geprägt.

 

Nach ihrem Tod übernahm Frau Borbála Szabó, langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins Fehérlófia, die Leitung des Hauses. 

 

Gemeinsam mit Katalin Nagy als pädagogischer Mitarbeiterin wurde die Arbeit fortgeführt.

Hausbuch Herbst2020_1
Hausbuch Herbst2020_2
Weihnachten2020_1

Neuausrichtung seit 2025

Ende 2024 zeigten sich zunehmend strukturelle und finanzielle Schwierigkeiten beim Partnerverein Fehérlófia. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung und einer unklaren Zukunftsperspektive sah sich die RIG Bautzen e.V. gezwungen, die institutionelle Förderung des Vereins im Januar 2025 auszusetzen, um die eigenen Mittel zu sichern und eine strategische Neuausrichtung einzuleiten.

 

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Februar 2025 wurde ein neuer kommissarischer Vorstand gewählt, der den Auftrag erhielt, die Förderung in Rumänien auf eine neue, transparente und nachhaltige Basis zu stellen.

 

Das Ergebnis dieses Prozesses ist das Förderprogramm „Kreative Zukunft, das im Sommer 2025 offiziell gestartet wurde.

 

Mit diesem neuen Ansatz löst sich die RIG von der Förderung einer einzelnen Organisation und unterstützt stattdessen ein breites Netzwerk von verlässlichen lokalen Akteuren (gemeinnützige Vereine, Kirchengemeinden, Initiativen) durch flexible Kleinstförderungen („Mikro-Grants“). Ziel ist es, die Zivilgesellschaft vor Ort zu stärken und eine Vielzahl von Projekten zu ermöglichen, die direkt bei den Kindern und Jugendlichen ankommen.

 

Die Zukunft des Hauses Kerekudvar ist derzeit ungewiss. Die RIG Bautzen e.V. setzt sich jedoch weiterhin dafür ein, diesen wertvollen Ort für die gemeinnützige Arbeit in der Region zu sichern, idealerweise unter einer neuen, unbelasteten und transparent arbeitenden Trägerschaft.

 

Logo des Förderprogramms Kreative Zukunft
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