Mittwoch, 11. Juli 2018

Dokumentarfilm über das Haus Kerekudvar


Link zum Video bei Youtube: https://youtu.be/8idcQB39Cmo

Transkript des Videos:

[00:00:02]
Bernhard Preiß, Vorsitzender des Vereins:
Wir treffen uns heute hier im Kirchgemeindehaus Bautzen am Stadtwall 12 zu unserer Vorstandssitzung der Bautzener Rumänieninitiativgruppe.

[00:00:12]
Ja, und dieser Ort, dieses Kirchgemeindehaus, ist zugleich auch der Ursprung, kann man sagen, der Partnerschaft nach Rumänien.

[00:00:24]
Wir treffen uns ja circa einmal im Monat, beraten den Stand. Natürlich reden wir auch immer übers Geld und wir bauen einfach die Brücke zwischen Bautzen, Dresden und Keresztúr.

[00:00:36]
Wir als RIG Bautzen e.V. sind ja vor allen Dingen Spendensammler, die Geld einwerben für die Arbeit im Begegnungshaus Kerekudvar - runder Hof, heißt das ja dort - für die Waisenkinder, circa 60 Waisenkinder die jetzt noch da sind, die in Neubaublocks wohnen, in Wohngruppen zusammen, zumeist sechs bis acht Jugendliche mit einer Betreuungsperson, die ja aber ständig wechselt. Und wir unterstützen damit die inhaltliche Arbeit, die soziale Arbeit im Haus Kerekudvar.

[00:01:52]
Franzi:
Hallo, ich bin Franzi …

[00:01:53]
Clara:
… und ich bin Clara.

[00:01:54]
Franzi:
Wir befinden uns hier in Cristuru Secuiesc in Székelykeresztúr, das ist im ungarischsprachigen Teil von Siebenbürgen in Rumänien.

[00:02:01]
Clara:
Wir zwei haben vor acht Jahren für ein Jahr hier gelebt und gearbeitet als Freiwillige und sind heute wieder da, um zu schauen: Wie sieht es heute in Keresztúr aus?

[00:02:18]
Clara:
Im April 1990 haben sich zwölf junge Leute aus Bautzen auf den Weg nach Rumänien gemacht. Ihr Ziel war damals das zweitgrößte Kinderheim in Rumänien, was sie vorher eher zufällig entdeckt hatten.

[00:02:29]
Die Zustände, die sie vorgefunden haben, und was sie hier erlebt haben, hat sie sehr erschüttert. Es war schnell klar, dass es nicht nur Hilfstransporte geben musste, sondern dass es vor allem an liebevoller Zuwendung gefehlt hat.

[00:02:41]
Aus den Erlebnissen dieser Jugendlichen hat sich dann die Rumänieninitiativgruppe Bautzen entwickelt, die seit Anfang der neunziger Jahre Spenden für die elternlosen Kinder hier in Rumänien sammelt und seitdem ungefähr 60 Freiwillige hierher geschickt hat, die mit den Kindern gespielt und gesungen haben und sie auch einfach mal getröstet haben.

[00:03:01]
Über diese Arbeit hat sich ein Netzwerk entwickelt, was die Kinder hier in der Stadt bis heute begleitet.

[00:03:07]
2003 hat sich der Partnerverein Fehérlófia gegründet, der anfangs noch von Freiwilligen aus Deutschland begleitet wurde, bis dann 2010 die Arbeit komplett an Sozialarbeiter und Freiwillige hier aus der Stadt übergeben werden konnte.

[00:03:28]
Zsolt:
Hallo ich bin Zsolt. Herzlich Willkommen in Kerekudvar. Kommt herein.

[00:03:53]
Hajnalka Mateffy:
Und das ist, was wir mit den Kindern machen. Wir lernen Kochen, wir lernen Nähen, wir basteln mit ihnen, wir machen Ausflüge, lernen ein bisschen die Natur kennen, was man aus der Natur benutzen kann. Zum Beispiel gab es ein Jahr, wo wir gesagt haben: Jetzt machen wir einen Kochkurs für die Mädchen. Zum Beispiel haben sie die Rezepte dort richtig abgeschrieben, haben gelernt wie man eine Fleischsuppe kocht, ein zweites Essen, Kuchen, wie man den Tisch deckt, ein Tischgebet dazu. Das was in einer Familie wichtig ist.

[00:04:32]
Wir haben auch Bilder von, wir nennen es die Puszta, gemacht, wo die Zigeunerfamilien am Fluss leben. Und wenn man diese Bilder sieht, dann wird verständlich, warum Eltern ihre Kinder verlassen: Weil sie sie einfach nicht ernähren können, weil sie krank sind und sie nicht betreuen können.

[00:04:54]
Es gibt Kinder die zu Dritt, zu Viert - also Geschwister, vier Geschwister zum Beispiel - zusammen im Kinderschutzbund leben, aber die haben vielleicht noch sechs, sieben, zehn Geschwister in der Puszta oder anderswo.

[00:05:09]
Also die Eltern können sie nicht ernähren. Es sind Familien die über Generationen nicht gearbeitet haben oder nicht beschult sind. Auch in der Schule haben sie massive Lernschwierigkeiten.

[00:05:27]
Uns ist sehr wichtig, ihre Freizeit sinnvoll und wertvoll zu gestalten. Das ist ganz, ganz entscheidend für ihr weiteres Leben und dafür, dass sie eine Perspektive haben, dass sie nicht dort enden woher sie gekommen sind: im Schlamm, an der Küköllö, in solchen Slums, die wir gesehen haben.

[00:05:58]
Zurzeit haben wir ein größeres Musikprojekt und ein Nachhilfeprojekt. Das heißt, dass wir die Kinder unterstützen in Mathe, Rumänisch, Ungarisch. Das ist kein Schulunterricht, sondern eher eine Unterstützung, dass sie in der Schule überhaupt den Anschluss finden können.

[00:06:46]
Mónika Táncos:
Es ist nicht so, dass nur alleine die Betreuung durch den Verein den Kindern hilft. Sie erfahren durch die Dinge, die sie dort lernen, Erfolg und Anerkennung. Die Kinder können leider oft in Mathematik oder in Fremdsprachen nicht die gleichen Leistungen erbringen wie die anderen. Aber dadurch, dass sie in Musik richtig gut sind, erleben sie Genugtuung und fühlen sich so nicht ausgegrenzt.

[00:07:07]
Ich sehe, dass die Mitschüler sie dafür respektieren und die Kinder hier auch um Hilfe bitten. Ich denke, dass das alles in der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder eine große Rolle spielt. Die Stärkung des Selbstbewusstseins wirkt sich definitiv positiv auf die Lernerfolge der Kinder aus.

[00:07:27]
Mihály Balázs:
Bezüglich der Heimkinder ist mir aufgefallen, dass diese mit Fremden viel schneller Kontakt knüpfen können als Kinder, die in einer Familie aufgewachsen sind. Es mag daran liegen, dass sie in einer Gemeinschaft mit vielen anderen aufwachsen. Sie haben eine sehr enge Beziehung zueinander, obwohl sie keine familiäre Verbindung haben.

[00:07:51]
Franzi:
Wir sind jetzt im Garten vom Kerekudvar und schauen uns das Fotoalbum an, was ich über das Jahr gebastelt hab, in dem wir hier gearbeitet haben. Es sind ein paar von denen versammelt, mit denen wir damals hier gearbeitet haben und mal schauen, wie sie das finden.

[00:08:22]
Katalin Nagy:
Die Arbeit ist nicht in allen Fällen erfolgreich. Desto mehr freuen wir uns, wenn wir sehen, dass es jemand geschafft hat und sein Leben auf die Reihe kriegt. Das Gemeinschaftshaus Kerekudvar hilft den Kindern dabei. Es hilft ihnen im späteren Leben weiter und sie erreichen auch gute Ergebnisse.

[00:08:42]
Hajnalka Mateffy:
Zum Beispiel haben wir jetzt eine Wiese ausgesucht, nicht weit von der Stadt, wohin wir Ausflüge machen könnten, wo wir mit den Kindern und Jugendlichen unterwegs sein könnten. Sowas würde auch diesen starken, großen Jugendlichen, Sport und Ausflüge, sehr gefallen.

[00:09:00]
Und die gemeinsame Zeit unterwegs zu sein, das ist eine sehr wertvolle Zeit wieder für die Beziehung, für Gespräche. Wir würden gerne ein bisschen aus der Stadt rausgehen. Natur kennenlernen. Ist wieder sehr wichtig für alle Kinder und Jugendlichen. Für unsere besonders.

[00:09:26]
Clara:
Laci,  ich würde gerne wissen, warum du gerne hierherkommst?

[00:09:39]
Er sagt, er fühlt sich hier gut.

[00:09:43]
Warum fühlst du dich hier gut?

[00:09:46]
Man kann hier viel spielen.

[00:09:48]
Seit wann geht sie ins Kerekudvar?

[00:09:52]
Seit acht Jahren, sagt Ramona.

[00:09:55]
Und zu welchem Programm gehst du, Ramona?

[00:10:06]
Zum Basteln, zum Fußballspielen und in die Gitarrenstunde.

[00:10:11]
Welches Programm findet sie am schönsten?

[00:10:17]
Das Basteln und das Gitarrespielen gefällt ihr auch am besten.

[00:10:26]
Er spielt gerne Fußball oder bastelt auch mit. Je nachdem was es eben gibt.

[00:10:31]
Warum gehst du gern hier hin?

[00:10:35]
Weil dann die Zeit gut vergeht.

[00:10:37]
Was war das Schönste was du bisher erlebt hast? Eine schöne Erinnerung.

[00:10:50]
Für ihn war am schönsten zwei Ausflüge in eine Stadt und in ein benachbartes Dorf.

[00:11:03]
Für sie ist es immer sehr schön aufs Kreuz hochzugehen über der Stadt und in den Wald in der Nähe der Stadt.

[00:11:14]
Franzi:
Während der Tage, die wir hier waren, haben wir viel sehen und erleben können, aber es gibt auch Aufgaben, die erst auf den zweiten oder dritten Blick sichtbar werden.

[00:11:22]
Clara:
Die Rumäneninitiativgruppe Bautzen ist seit vielen Jahren vor Ort und hat ihre Arbeit kontinuierlich weiterentwickelt, kann auf viele große und kleine Erfolge zurückblicken und möchte die Kinder auch in Zukunft unterstützen. Hilfe wird hier immer gebraucht und kommt in Keresztúr direkt an.

[00:11:55]
Bernhard Preiß:
Wir finden es wichtig, dass wir jedes Jahr eine Päckchen-Packaktion durchführen, dass wir Päckchen zusammenpacken und die dann zu Weihnachten ins Haus Kerekudvar transportiert werden. Und das ist eine Sache, die wir sehr gerne machen und auch die Kinder und Jugendlichen sehr erfreuen und auch schon erwarten, weil das jedes Jahr so ist. Und es macht uns auch viel Spaß.

[00:12:17]
Das Musik- und Nachhilfeprojekt läuft von 2015 fünf Jahre, bis 2019, auch das HfO-Projekt, die Frauen und die Kinder zusammen, läuft auch bis 2019. Wir wollen dann natürlich gerne weiter aktiv sein, deshalb ist es ganz wichtig, dass der Freundeskreis entweder erweitert wird oder dass die Freundesmitglieder weiterhin spenden und wir damit sozusagen auch andere Fördermöglichkeiten mit nutzen können. Wir brauchen ja immer einen Eigenanteil. Also ich würde mal sagen, wir können jetzt schlecht auf zehn Jahre gucken. Wir können immer nur auf die nächsten fünf Jahre oder vier Jahre gucken und wollen aber die Arbeit im Kerekudvar solange wie es geht unterstützen.

[00:12:59]
Wir können die Eltern der Waisenkinder nicht ersetzen. Aber wir können die Waisenkinder fördern mit Musik, mit sozialem Engagement, sodass die Waisenkinder dann später, wenn sie erwachsen sind, ein lebenswertes und eigenständiges Leben führen können. Das ist der Anteil den wir tun können.

[00:13:34]
Wir danken allen Spendern  und Förderern für Ihre langjährige Unterstützung.
Ein besonderer Dank geht an:
Sächsische Jugendstiftung
Diakonie Sachsen
Rotary Dresden und Bern

[00:13:38]
Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V.

Postanschrift: Seminarstr. 4, 02625 Bautzen
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