Dienstag, 18. August 2009

Erlebnisbericht aus der Sommer-Rüstzeit in Rumänien

Von Hannah Maneck

Als ich am 24.8. mit acht weiteren Engagierten von Bautzen aus in die Sommerrüstzeit 2009 startete, war Rumänien für mich noch ein fremdes Land. Ohne den Klang der Sprache im Ohr zu haben und ohne Sitten und Bräuche zu kennen, machte ich mich auf, um es zu erkunden, da ich ab September als neue Freiwillige der Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V. dort leben werde. Leichtgemacht wurde mir das Ankommen durch die Erfahrungen derer, die schon in den letzten Jahren die Stadt Keresztur in Siebenbürgen (Bezirk Hargitha) besuchten. Die Rückkehr in dieses Land bedeutet für sie ein Stück weit „nach Hause zu kommen“. Ihnen bringen die tiefgründigen und einzigartigen Begegnungen vor Ort immer wieder Wärme in die Herzen – Begegnungen mit alten Freunden aus Szekelykeresztur, im Besonderen mit den Kindern und Jugendlichen des Kinderschutzbundes.

Das kleine Dorf Kiskede, in dem wir die zwei Wochen zu fünfzehnt in hilfsbereiter Nachbarschaft verbrachten, bedeutete für mich Ruhe, Gemeinschaft, Naturverbundenheit und Geborgenheit: durch Freiluftduschen, gemeinsames Kochen, Nächte am Feuer und intensive Gespräche. Am meisten beeindruckte mich der familiäre Zusammenhalt mit Menschen, die mir zuvor noch Fremde waren. Zu unserer Zusammenarbeit gehörte nicht nur die Aufgabe den Kindern und Jugendlichen zwei schöne Wochen zu gestalten, sondern auch die Vereinswohnung der Rumänieninitiative zu renovieren. Da die Arbeit des örtlichen Partnervereins „Feherlofia“ in ein größeres Haus umziehen wird, wohnen ich und die beiden anderen Freiwilligen das nächste Jahr in der Vereinswohnung – dieses Jahr ist großer Tapetenwechsel. Die Selbstlosigkeit für eine fremde Wohnung mitten in Rumänien so viel Kraft und Urlaubszeit zu investieren, hat mich sehr beeindruckt. Da wir unsere Gruppe jeden Tag teilten, konnten Renovierung und Programme parallel zueinander stattfinden. Am Vormittag bastelten, spielten, tanzten und sangen wir mit den Kindern. Nachmittags gingen wir mit den Jugendlichen an einen nahe gelegenen See baden. Dort entstanden schon nach kurzer Zeit gemeinsame Momente: so wurde an der einen Stelle gemeinsam zur Gitarre gesungen und an der anderen Karten oder Volleyball gespielt.

Die Erfahrungen und kreativen Ideen aller machten aus uns ganz schnell ein Team. Nur so konnten wir an zwei Nachmittagen auch mit den Kleineren ins Freibad gehen. Ich habe Kinder noch nie so ausgelassen und zufrieden gesehen. Wenn ich dabei eins gelernt habe, dann, dass Aufmerksamkeit und eine Umarmung ebensoviel wert sind, wie die Spenden aus der Ferne.

Der Höhepunkt im Programm mit den Jugendlichen war ein Ausflug nach Schässburg bzw. Sigishoara. Dort besuchten wir ein Konzert des Evangelischen Domchors St. Petri, der auf Konzertreise durch Siebenbürgen war. Der Ausflug konnte jedoch nur stattfinden, da uns der Verein „Domus“ ganz spontan und unkompliziert seinen Bus zu Verfügung stellte. Nach dem Konzert trafen sich alle auf der Kirchenburg Groß Ahlisch, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Es war beeindruckend zu sehen, wie Kinderheimjugendliche, gestandene Chorsänger und wir mittendrin beisammen saßen und redeten. Natürlich stellten die unterschiedliche Sprachen eine Barriere dar und es konnte einen traurig machen, wenn man über seinen Gegenüber mehr erfahren wollte und nicht konnte. Trotzdem hab ich es mir schlimmer vorgestellt. Man kann auch so zusammen lachen und Momente genießen. Ich freue mich schon sehr auf die Zeit als Freiwillige, wenn ich mit den Jugendlichen und Kindern richtig sprechen kann! Die zwei Wochen haben mir Mut gemacht die Sprache zu lernen und mir gezeigt, dass die Menschen in Keresztur mich dabei unterstützen wollen.

Nach dieser reichen, anstrengenden und intensiven Woche mit Programm, machten wir uns auf den Weg nach Apold, einer Kirchenburg in der Nähe, um auszuspannen. Dort trafen wir auf Thomas, der mit viel Liebe und Geduld die historische Kirchenorgel restauriert. Innerhalb der Mauern war es still, die alten Gemäuer strahlten Ruhe und Gelassenheit gegenüber Veränderungen aus. Nur wenige Geräusche drangen über die Mauern hinweg an unsere Ohren. Pferdewagen polterten vorbei und zu Balkanmusik tanzte eine Kreissäge in der Ferne. In der Stille und dem Schutz der Burg fanden wir das erste Mal nach einer Woche völlige Entspannung. Jeder konnte Erlebtes für sich selbst oder mit anderen besprechen, solang die Hitze nicht die Gedanken lähmte.

Nach dieser kurzen Auszeit ging es erneut in die Vollen: die Wohnung musste fertig gestellt und die Abschlussprogramme vorbereitet werden. Neben dem Zubereiten eines Obstsalates mit den Kindern, lag uns eine Gesprächsrunde mit den Jugendlichen sehr am Herzen. Zu anderen Treffen war kaum Raum gewesen für intensivere, ja ernste Themen. So trafen wir uns abschließend auf einem nahe gelegenen Berg und kochten Maiskolben über dem offenen Feuer. Nach einer Einstiegsrunde im großen Kreis, sprachen wir mit allen über die Veränderungen für die Jugendlichen, die mit dem Umzug des Vereins „Feherlofia“ in ein größeres Haus einhergehen. Danach redeten wir in Kleingruppen über Zukunft und Beziehungen. Ich war sehr erstaunt wie offen und ehrlich die vier Jungen in meiner Gruppe über ihre Erwartungen an eine gute Freundschaft und erlebte Enttäuschungen berichteten. Am Ende gingen wir alle sichtbar befreit und zufrieden nach Hause. An diesem Nachmittag hatte ich gemerkt, dass sich die Mühe und die Ausdauer am Anfang der Runde gelohnt hatte: Die Jugendlichen und wir waren wieder ein Stück mehr zusammengerückt!

Der Abschied war schwer und für Einige tränenreich. Ich persönlich wusste, dass ich alle bald wieder sehen würde, sodass das Aufwidersehen sagen nicht so schwer fiel.

Das Zusammenleben mit jedem einzelnen der fünfzehn wunderbar vielfältigen Menschen auf der Rüstzeit hat mir Lust und Vorfreude auf meinen Dienst in Keresztur gemacht. Was jedoch für mich ein gelungenes Willkommen war, war für die Freiwilligen des letzten Jahres ein schöner und wertvoller Abschied. Sie haben an uns drei Neuen nicht nur Tricks und „Überlebenstipps“ weiter gegeben, sondern uns bei der Sprache geholfen und Hinweise für unsere zukünftige Arbeit gegeben. Allen beiden vielen Dank dafür! Die Zeit in Rumänien war in jeglicher Hinsicht sehr intensiv und traumhaft schön, sodass es schwer fällt nicht sentimental zu werden… deshalb: Schluss!

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