Dienstag, 7. Oktober 2008

Bericht aus dem Familienhaus vom September 2008

Es geht auf Ende September zu, die Schule hat wieder angefangen und es ist wieder Zeit, dass letzte halbe Jahr Revue passieren zu lassen. Als ich mir vor zwei Tagen das erste mal so richtig Gedanken über den Inhalt des Berichts gemacht habe, ist mir aufgefallen, wie schnell die Zeit verging, und wie intensiv sie eigentlich war. Es gab eine Menge schöne, aber leider auch ein paar unerfreuliche Erlebnisse und Ereignisse. Es gab viel Arbeit im Garten und auf dem Hof, aber wir haben auch viele gemeinsame kleinere Ausflüge gemacht und Feste gefeiert.
Damit möchte ich auch gleich beginnen. Unser erstes grosses Fest war am 18. Mai, die Erstkommunion von Fanny. Die feierliche Zeremonie fand in unserer katholischen Kirche in Keresztúr statt.

 


Gleich am Anfang der Sommerferien war die Geigengruppe, in der Krisztina spielt und eine Tanzgruppe aus dem Ort für eine Woche nach Ungarn eingeladen.
Trotz des etwas unbequemen Starts, sie fuhren mit einem uralten Bus, war der Ausflug für Krisztina ein voller Erfolg. Sie haben dort viel musiziert, getantzt, neue Freunde kennen-gelernt und viele Sehenswürdigkeiten besucht.
Im Juli war dann der schon fast traditionelle Deutschlandbesuch von Fanny, Flórián, Krisztina und Robi´s Mutter. Auf grund des schlechten Wetters fiel das, auf was sich die Kinder am meisten gefreut hatten, aufs Baden gehen, aus. Bevor es den Kindern jedoch fast zu langweilig geworden wäre, sind sie auch dieses Jahr ins Schullandheim nach Neukirch, ins Indianerlager, gefahren. Die Betreuer waren die gleichen, wie im vergangenen Jahr und ein paar bekannte Gesichter unter den Kindern waren auch. Was Flórián am meisten imponiert hat, war die Nachtwanderung. Auch wenn er es nicht zugeben will, aber ein bischen Angst hatte er schon.
Ende August hatten die drei die Möglichkeit an einer Rüste in Ivó teilzunehmen. Hintergrund war die Vermittlung von handwerklichen, zum Teil auch traditionellen Techniken. Im Angebot waren Perlen fädeln, schnitzen und Bemalen von Holzscheiben.
Wir waren alle sehr positiv überrascht, als wir diese Ergebnisse sahen:





Einige Woche jedoch, bevor die Sommerferien begannen,schrieb Krisztina ihre grossen Klausuren. Im Vergleich zu den Klausuren, die schon am Ende des ertsen Halbjahres geschrieben wurden, war eine Steigerung sichtbar, aber noch nicht unbedingt zufriedenstellend. Diese „Prüfungen “ und auch die kommenden in der 8. Klasse werden ausschlaggebend sein für den Abschluss und für die weiteren Möglichkeiten auf dem Gymnasium. Seit Beginn der Schule ( zwei Wochen) zeigt Krisztina eine enorme Motivation, alle Hausaufgaben wurden gewissenhaft gemacht und für die kommmenden Unterrichtsstunden gelernt. Wir würden uns sehr freuen, wenn dieser Zustand anhalten würde, damit Krisztina ihre Pläne auch verwirklichen kann. Krisztinas Wunsch ist eine Ausbildung zur Krankenschwester, leider geht dies aber nur mit Abitur.

Edu`s schulische Entwicklung dagegen ist nicht so positiv. Unsrere Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Schulwechsel von Keresztúr nach Udvarhely haben sich leider bestätigt. Viele Fehlstunden und absolute Negativeinstellung zum Lernen führten dazu, dass er die 10. Klasse nicht geschafft hat und diese somit wiederholen muss. Diesmal hat er sich auf dem beruflichen Gymnasium „ Zeyk Domokos“ hier in Keresztúr angemeldet. Aber auch dieser Neuanfang hat nicht funktioniert, da er schon in den ersten zwei Wochen nur unregelmässig die Schule besucht. Seit dem ersten Schulwechsel im letzten Jahr haben wir und auch seine Betreuerin vom Jugendamt schon unendlich viele Gespräche mit ihm geführt, aber ohne dauerhaften Erfolg. Edu sieht seine momentane Zukunft in der Fremdenlegion, und die hängt seiner Meinung nach nicht vom schulischen Erfolg ab, sondern vom erreichen des 18. Lebensjahres. Was das nächste Halbejahr ( bis zu seinem Geburtstag) bringen wird und wie es danach weitergehen soll, dazu trauen wir uns keine Prognosse zu stellen, die Hoffnung, dass er den hier erforderlichen 10. Klassenabschluss machen wird, haben wir aber noch nicht ganz aufgegeben.

Bei Julián und Jeno gibt es keine grossen Veränderungen, Julian hat sein Studium schon Mitte September wieder angefangen und Jenö wird diese Woche wieder nach Klausenburg ziehen. Während der Semesterferien waren beide, jeder in seinem Fachgebiet zu Erfah-rungsaustauschen und Weiterbildungen in Ungarn. Begeistert haben sie uns erzählt, was sie alles gesehen haben und welche Erlebnisse sie hatten. Für beide war es die Motivation am Berufswunsch festzuhalten und weiter zumachen.




Viele Dinge , die Julián während seines Studiums gelernt hat, konnte er auch bei uns zu Hause ausprobieren und umsetzen, wie zum Beispiel neue Bäume und Sträucher pflanzen, Bäume ausästen und den Wein verschneiden. Ausserdem war er für einen Monat, im August, zum Praktikum in Deutschland und hat bei der Anlegung eines Parkes für ein Museum mitgeholfen.Ein Entgeld gab es für diese Arbeit nicht, aber eine Menge neue Erfahrungen und praktische Übung.

Jeno war während der Semesterferien überwiegend bei uns und hat einiges im Haus wieder auf Vordermann gebracht, viel im Garten geholfen und unsere alte Sitzecke zu einer neuen und schöneren umgewandelt:

 

Wie auch im letzten Jahr schon, war Jenö auch dieses Mal wieder aktiv an der Vorbereitung und Durchführung des Zeltlagers in Turia beteiligt.

Gyöngyi`s grosser Tag war der 15. Juni. Mit einer feierlichen Messe und anschliessender Festveranstaltung in der Aula der Universität geht für Gyöngyi ein vierjähriges Studium fast zu Ende. Fast zu Ende deshalb, da die Diplomarbeit bis Februar nächsten Jahres noch eingereicht werden muss.
Um dies gebührend zu feiern, haben wir uns, Julian, Jenö, Zsofi, Lucia (Gyöngyis Freundin), Gyöngyis Freund, Babara Likus aus Bautzen und wir als Familienhauseltern, mit ihr in Klausenburg getroffen. Für uns als Pflegeeltern, war es ein überwältigender Moment, als Gyöngyi`s Name zwischen den über 80 Namen aufgerufen wurde. Nach der sehr langen offiziellen Festveranstaltung sind wir alle gemeinsam Essen gegangen und haben somit den aufregenden und zum Teil auch hektischen Tag, noch gemütlich ausklingen lassen.

 

Sie ist die erste von allen, die ihr Studium erfolgreich beendet hat.
Nach dem Abschluss gab es für Gyöngyi jedoch kein Ausruhen. Sie hat einen Ferienjob in Klausenburg bei Nokia angenommen. Schicht- und Fliessbandarbeit haben sie ganz schön an die Grenzen gebracht. Leider haben wir sie nur eine Woche in den Semesterferien gesehen, dafür haben wir aber öfters miteinander telefoniert. Ob Gyöngyi für die Zeit bis zur Diplomarbeit vom Jugendschutzbund unterstützt wird und damit bei uns bleiben kann, ist noch nicht entschieden. Wann es eine Entscheidung geben wird, wissen wir noch nicht.

Zsofi`s Wünsche und Pläne vom letzten Jahr, ein erfolgreiches Studium Englisch- Deutsch, sowie das Bestehen der Fahrschule, sind nicht in Erfüllung gegangen. Trotz gutem Zureden von vielen Seiten, nicht nur von uns, hat sie sich an einen der schwierigsten Studiengänge getraut. Schon nach dem ersten Semester war es abzusehen, dass es für Zsofi fast unmöglich ist, dies zu Ende zuführen, da sie nur knapp die Hälfte der Prüfungen bestanden hat. Nach langen Überlegungen hat sie sich nun für den Studiengang Touristik und Geografie eingeschrieben und fängt jetzt mit ihrem ersten Semester an.

Auch bei der Fahrschule läuft es nicht ganz so, wie es es sich vorgestellt hat. Nach drei missglückten Versuchen ist die nächste Chance im Dezember.

Es gibt noch eine Sache, die wir erwähnen wollen und auch müssen, auch wenn dies Zsofi nicht unbedingt in ein positives Licht rückt. Eine Sache, die uns die gesamte Ferienzeit über beschäftigt hat, und wegen der wir auch einige Male Auseinandersetzungen mit Zsofi hatten.

Es ist ihre „Arbeitsscheu“. Sie ist die einzige von unseren Grossen, die während der Semesterzeit kein Praktikum gemacht oder einen Fereinjob gefunden hat. Angeblich waren keine, für sie passende, dabei. Selbst bei uns im Haus gab es fast keinen Tag, wo sie freiwillig und/ oder ohne Aufforderung mitgeholfen hat. Wir hoffen für die Zukunft, dass sich dies im Laufe ds Reifungsprozesses zum „ Erwachsen werden“ noch ändern wird.

Nach einem unendlich heissen und trockenen Sommer, warten wir jetzt auf einen schönen,milden Herbst und einen schneereichen Winter zum Ski fahren.

Veröffentlicht am 07.10.08

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