Samstag, 10. November 2007

Abschlussbericht zum Freiwilligendienst von Markus Wiatr


Liebe Freunde der Rumänieninitiativgruppe Bautzen,

vielleicht haben sie von mir bereits etwas gehört oder gelesen. Mein Name ist Markus Wiatr und ich war für ein Jahr als Freiwilliger in Keresztúr. Seit Oktober bin ich wieder in Dresden und setze hier mein Studium fort, wobei ich auf das vergangene Jahr zurückblicke. Die Idee, wegzugehen, kam recht spontan. Es war für mich das erste Mal, dass ich Deutschland über so einen langen Zeitraum verlassen habe. Dementsprechend war ich sehr aufgeregt und auf die mir bevorstehende Zeit gespannt, wenngleich ich schon wusste, worauf ich mich einlasse, da ich bereits vor meiner Zeit als Freiwilliger mehrmals in Siebenbürgen war. Für mich war dies nun ein guter Zeitpunkt für einen solchen Auslandsaufenthalt. Später hätte ich diese Möglichkeit innerhalb meiner Studienzeit nicht mehr so einfach nutzen können.

Das, worauf ich nun zurückblicken kann, sind viele schöne Erinnerungen. Aber auch schwierige Situationen haben diese Zeit geprägt. Ich habe Erfahrungen gesammelt, Menschen getroffen und dabei viel – auch über mich selbst – gelernt.

Meine Arbeitsstellen waren sowohl das Jugendprojekt „Fehérlófia“, als auch das Familienhaus. Im Jugendprojekt bildeten wir ein Team aus drei Mitarbeitern. Kinga war als Sozialarbeiterin für das freizeitpädagogische Programm verantwortlich, Peter für administrative Aufgaben sowie mein Mentoring und ich gestaltete die Programme mit und übernahm technische sowie organisatorische Aufgaben. Ich habe mich in unserem Team sehr wohl gefühlt. Es herrschte stets eine angenehme Atmosphäre, die eine konstruktive Zusammenarbeit ermöglichte. Für mich war es außerdem spannend, im Rahmen meiner Arbeit Freiheiten zu haben, die es mir ermöglichten, neue Dinge für mich selbst auszuprobieren.

An den Samstagen habe ich Jana und Robert im Familienhaus unterstützt. In erster Linie habe ich mich dabei mit Florian, dem Jüngsten, beschäftigt. Er ist ein sehr aktiver und kontaktfreudiger Junge, der seinem Bedürfnis nach körperlicher Betätigung stets Ausdruck verleiht. Von daher habe ich hier meine Aufgabe darin gesehen, Jana und Robert zu entlasten, da Florian nicht das einzige Kind im Familienhaus ist und sonst auch genug Arbeit dort ansteht. Florian ist jetzt im September in die Schule gekommen. Ich bin immer gern ins Familienhaus gegangen. Mit Jana und Robert habe ich mich gut verstanden und ich wusste, dass ich mich mit Problemen stets an sie wenden kann.

Rückblickend mache ich mir nun Gedanken über die Bedeutung meines Freiwilligendienstes – sowohl für mich, als auch für die Jugendlichen, mit denen ich gearbeitet habe. Für mich persönlich war dies in jedem Fall eine sehr wertvolle Zeit. Innerhalb eines Jahres habe ich die ungarische Sprache Verstehen und Sprechen gelernt, was mir sehr wichtig geworden ist. Weiterhin konnte ich praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen sammeln, was für meine Ausbildung und meinen späteren Beruf von Bedeutung sein wird. Dabei habe ich auch Einblicke in andere Arbeitsfelder außerhalb der Arbeit von Fehérlófia erhalten. So war ich zum Beispiel im Dezember des letzten Jahres als Mitarbeiter auf einer Freizeit mit geistig behinderten und stark hospitalisierten Jugendlichen aus Bukarest beteiligt, was für mich die erste Erfahrung in der Arbeit mit behinderten Menschen darstellte und sehr eindrücklich war.

Ich kann behaupten, dass ich mich persönlich in diesem Jahr weiterentwickelt habe. Doch was hat es den Jugendlichen gebracht, mit denen ich gearbeitet habe? Es ist schwer das im Einzelnen zu sagen. Daher ist es von vornherein wichtig, mit den entsprechenden Erwartungen an die eigene Arbeit heranzutreten, um dann prüfen zu können, inwiefern sich diese erfüllt haben. Der Hauptaspekt meiner Arbeit lag in der Beziehungsarbeit und dabei darauf, die Entwicklung der Jugendlichen zu begleiten und positiv zu beeinflussen. Dafür ist ein Jahr natürlich viel zu wenig. Vielmehr benötigen diese Jugendlichen zuverlässige Bezugspersonen, die sie kontinuierlich über einen langen Zeitraum hinweg begleiten. Jedoch denke ich, dass ich einen Beitrag dazu leisten konnte, ihnen eine selbstverantwortliche Lebensweise näherzubringen, und somit bei einzelnen Jugendlichen positive Impulse für deren Sozialisationsprozesse zu geben.

Schließlich ergab es sich auch aus meinen Aufgabenfeldern heraus, aktiv die Lebenswelt der Jugendlichen mitzugestalten und damit Einfluss auf ihre Entwicklung zu nehmen, indem ich ihre Fähigkeiten auf bestimmten Gebieten förderte. Sei es in Musikworkshops, in der Fahrradwerkstatt oder in den Sprachkursen. Hier erfuhren die Jugendlichen auf konstruktive Art und Weise eine positive Selbstachtung zu erlangen. Letztlich ist es so, dass allein schon die Zuwendung und das Opfern der eigenen Zeit von den Kindern und Jugendlichen als Geschenk dankbar angenommen wird. Dies habe ich immer wieder erfahren können, was mir sehr gut getan hat. Es hat mir jedoch auch gezeigt, dass es den meisten Kindern und Jugendlichen genau daran mangelt: an Menschen die ihnen ihre Aufmerksamkeit schenken, sich für sie interessieren und sich Zeit für sie nehmen.

Im September, einen Monat, bevor ich wieder nach Deutschland aufgebrochen bin, kamen meine beiden Nachfolger Ute und Christopher nach Keresztúr. Nachdem ich sie in der ersten Woche mit der Umgebung vertraut gemacht und sie mit einigen Leuten bekannt gemacht hatte, führte ich sie in die Arbeit ein. Sie sind nun zu zweit und können noch ein dichteres Angebot abdecken und ich habe das Gefühl, dass sie sich in Keresztúr gut eingelebt und gute Ideen haben. Es ist schön zu sehen, dass immer wieder junge Leute sich auf den Weg machen, um selbst etwas zu lernen und sich mit ihren Fähigkeiten in eine solche Arbeit einzubringen. Ich denke, dass solche Frewilligendienste allen Beteiligten sehr viel geben können.

Ich habe nun versucht Ihnen hier darzustellen, welche Bedeutung diese Zeit für mich hat. Jetzt konzentriere ich mich wieder auf mein Studium hier in Dresden. Eine weitere Perspektive brachte mir dieses Jahr auch in dieser Hinsicht. Zusätzlich zu meinen Fächern Sozialpädagogik und Philosophie strebe ich nun noch als Drittfach Deutsch als Fremdsprache an. Mit der Rumänieninitiativgruppe möchte ich weiterhin in Verbindung bleiben, um mich mit meinen Erfahrungen aus meinem Freiwilligendienst auch dort einzubringen.

Es grüßt Sie,

Ihr Markus Wiatr

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