Dienstag, 17. Januar 2006




Fluthilfe aus Deutschland erreicht die Not leidenden Menschen


Bericht einer Besichtigung vor Ort

Mátéffy Hajnalka, die Leiterin des Jugendprojekts Fehérlófia in Cristuru Secuiesc (Székelykeresztúr) und ihr deutscher Mann Wolfram Hesse, Vorstandsmitglied der Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V. fuhren heute mit mir durch das Fehér-Nyikó-Tal in die vom Hochwasser betroffenen Dörfer Siménfalva und Kobátfalva. Wir wollten uns ein Bild von der Lage und der Verwendung der Hilfsgelder machen und Menschen aufsuchen, die unter der Flut gelitten hatten.

Die verheerende Flutwelle war im August 2005 gekommen, an einem schönen Sommertag. Vereinzelt hatte es Warnungen gegeben, doch niemand rechnete mit dem Schlimmsten. Als das Wasser kam und das Tal überflutete, riss es Vieh und Häuser mit sich und sogar Menschen kamen zu Tode. Auf unserer Fahrt erfuhren wir viele Geschichten und von einer möchte ich Ihnen berichten.


    Bild: Emléklap (ungarisch) - Zum Gedenken an die Flut
 
Eine kranke, fünfundachtzig Jahre alte Frau hatte ihr Haus und all ihr Hab und Gut verloren. Ihr einziger Sohn brachte sie zu einer Bekannten, auch schon über achtzig, die ein kleines Haus in einem nicht überschwemmten Gebiet bewohnte. Dort überließ er sie ihrem Schicksal und ohne ein Wort des Abschieds fuhr er davon. Die alte Frau kümmerte sich um die Kranke, kochte für sie, pflegte und wusch sie und teilte ihre karge Kost und ihr schmales Bett mit ihr. Die Tage und Wochen vergingen und nach drei Monaten schließlich war sie am Ende ihrer Kräfte. Sie ging den langen Weg in die Stadt, suchte den Sohn auf und bat ihn inständig, für seine Mutter zu sorgen. Daraufhin holte er die Mutter ab und brachte sie zurück in das Hochwasserdorf. Seitdem sorgt die Dorfgemeinde für sie.

Das ist nur eines von vielen vergessenen Schicksalen. Manche Menschen haben keine Angehörigen mehr, die sich um sie kümmern und müssen mit geringsten Mitteln ihr Dasein fristen. Heute besuchten wir die alte Frau, die so aufopferungsvoll für die Kranke gesorgt hatte. Wir gingen in ihr Haus, setzen uns in ihre kleine Stube und hörten ihre Geschichte an. Die Frau brach in Tränen aus, als sie erzählte und als Hajnalka ihr eine Geldspende von etwa sechzig Euro übergab. Für sie war es das erste Mal, dass Fremde zu ihr kamen, um ihre Tat zu würdigen und sie dankte uns sehr.


    Bild: Die alte Frau bedankt sich bei Hajnalka für unseren Besuch

In Kobátfalva angekommen, sahen wir noch immer die Spuren der Verwüstung. Zerstörte Gärten, die Wände der Häuser mannshoch durchfeuchtet, einige Mauern mit großen Löchern, andere Bauten gänzlich zusammen gebrochen. Doch dann wir sahen die neuen Häuser, die auch mit deutscher Hilfe gebaut werden konnten. Wir sahen neu befestigte Ufer, eine neue Straßenbrücke, fleißige Menschen, die an ihrem Hof arbeiteten und hier und da hatte es den Anschein von normalem Dorfleben. Freundlich begrüßten uns die Bewohner und baten uns in ihre neuen Heime. Die waren oftmals noch nicht eingerichtet, doch wenigstens stand ein Ofen darin, heizte einen kleinen Raum und sorgte für einen warmen Platz zum Überleben im Winter.



    Bild: Neu befestigtes Ufer in Kobátfalva           


    Bild: Mit Spendenmitteln neu gebautes Haus


    Bild: Dieses Haus war bis in Fensterhöhe überflutet

Die Spendengelder der Deutschen sind größtenteils bereits verwendet worden. Sie dienten dem Bau neuer Häuser und der Anschaffung nötigster Güter, wie Brennholz und Öfen. Ein Hochwasser-Ausschuss, bestehend aus Bürgern der Gemeinde, dem Pfarrer und Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, teilt die einzelnen Mittel nach Bedürftigkeit zu. Jede Zuwendung wird in Listen festgehalten und aus den Gesprächen mit den Bewohnern haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Verteilung gleichmäßig und gerecht vonstatten geht. Für die öffentlichen Hilfen gibt es ein Bon-System, es werden Gutscheine ausgegeben, die zum Kauf von Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen berechtigen. Am besten haben es natürlich die Bewohner, deren Kinder und Verwandte mit helfen können. Sie sind in der Lage, ihre Höfe recht schnell wieder herzurichten. Viele Hilfen gab es auch von den Kirchgemeinden der Umgebung.


    Bild: Ein neuer Brunnen auf dem Hof


    Bild: Ein Dorfbewohner zeigt uns sein neues Haus


    Bild: Vom Wasser zerstörte Außenwand eines Wohnhauses

Uns liegen Fotos vor, die die Schäden und Hilfsmaßnahmen dokumentieren. Alle Zahlungen an die verteilenden Organisationen sind belegt und nachweisbar. Die gemeinsamen Anstrengungen zum Überwinden dieser Naturkatastrophe haben gezeigt, dass es hier in Rumänien eine funktionierende Zivilgesellschaft gibt und dass die Dorfgemeinschaften in den Zeiten der Not zusammen halten.


    Bild: Neu gebautes kleines Haus                Bild: Die künftige Bewohnerin erzählt
    für eine alte Frau                                     uns vom Tag des Hochwassers

Im Namen der Menschen in den Hochwasserdörfern überbringen wir allen Spendern und Helfern herzlichen Dank und Freude über die Hilfe, den Trost und Beistand in dieser schweren Zeit. Unser besonderer Dank gilt dem Rotary Club Freital, der Aktion Zivilcourage und der katholischen Gemeinde St. Kunigunde in Pirna, den evangelischen Kirchgemeinden St. Petri Bautzen, Mittelherwigsdorf, Lommatzsch und Bannewitz, dem Ev. Stadtjugendpfarramt Dresden sowie Dr. Klemens Wagner und Stefan Reuter für die bedeutenden Einzelspenden, Sammlungen und Hilfsaktionen.

Auch Sie können dazu beitragen, die Not in den Hochwassergebieten Siebenbürgens zu lindern, indem Sie selbst spenden oder andere dazu anregen.

Unsere Bankverbindung

Kontoinhaber: Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V.
Kontonummer: 100 000 63 91
BLZ: 855 500 00
Bank: Kreissparkasse Bautzen
Betreff: Fluthilfe



    Bild: Ein neuer Kühlschrank, gekauft
    von Gutscheinen aus Spendenmitteln


    Bild: Ein neuer Küchenofen beheizt das Haus


    Bild: Die alten Leute zeigen uns
    dankbar ihr kleines Heim


Autor: Peter Großmann, 16. Januar 2006; Bilder: Wolfram Hesse

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