Freitag, 12. März 2004

Einführende Einblicke

Die Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V. (RIG) ist seit 1990 in Arbeitsfeldern der Jugendhilfe im Bezirk Harghita in Rumänien engagiert und aktiv. Im Ort Cristuru-Secuiesc befand sich bis 2003 ein Heim für fast 600 elternlose Kinder, deren Leben von Armut und fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten geprägt wurde. Die RIG entsandte bisher ca. 60 junge Menschen zum einjährigen Freiwilligendienst nach Rumänien und initiierte mit durch Engagement zahlreiche Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder aus Cristuru-Secuiesc.

Heute leben diese Kinder und Jugendlichen in betreuten Wohnformen. Sie benötigen weiterhin Unterstützung, weil sie ohne Familie kaum eine eigene Lebensperspektive entwickeln können.

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Für diese Arbeit und Aufgabe entstand 2004 der Verein Feherlofia vor Ort in Cristuru-Secuiesc. Der Name stammt aus einer ungarischen Sage, in der eine Stute sich um ein verwaistes Fohlen bemüht und ihm zum eigenständigen Leben verhilft. Die Arbeit von Feherlofia wird wesentlich durch die Rumänieninitiativgruppe Bautzen finanziert. Beide Vereine arbeiten eng zusammen.

Die Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V. ist ein anerkannt gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bautzen, Ostsachsen. Die Aktivitäten des Vereins beziehen sich seit der politischen Wende im Jahr 1990 auf den Aufbau von Projekten im Bezirk Harghita, zumeist auf den Ort Cristuru Secuiesc (Székelykeresztúr). Dieser Ort liegt im ungarischsprachigen Gebiet Siebenbürgens (früher auch als Transsilvanien bezeichnet). In dieser dörflichen Kleinstadt bestand bis Ende der neunziger Jahre das zweitgrößte Kinderheim des Landes. Heute helfen wir vor Ort, indem wir ein Familienhaus für elternlose Kinder und den Verein Fehérlófia, ein Projekt der offenen Jugendarbeit, wesentlich unterstützen.

Vor vier Jahren wurde auf Druck der EU das Kinderheim aufgelöst. Heute leben die Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Wohngruppen und Wohnformen in der Stadt. Zwar muss heute keines der Kinder mehr hungern, jedoch haben sich ihre Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten nicht wirklich sehr verbessert. Als aus einem Kinderheim, von denen außerdem viele zur Roma-Volksgruppe gehören, stehen sie zur untersten Stufe der rumänischen Klassengesellschaft. Außerdem sind die Chancen auf ein eigenständiges und gutes Leben ohne eine stützende Familie im Hintergrund sehr gering. Darum unterstützt die Rumänieninitiative Bautzen e.V. seit 1990 die Aussendung von Freiwilligen und mit der Gründung des Vereins Fehérlófia im Jahr 2003 ein festes Projekt der offenen Jugendarbeit in Székelykeresztur.

Siebenbürgen ist seit Jahrhunderten eine von verschiedenen Volksgruppen besiedelte Region Europas. Hauptsächlichst aber prägten seit dem 12. Jahrhundert deutsche und ungarische Bauern und Handwerker das Land. Bis 1918 stand es unter ungarischer bzw. österreichischer Herrschaft. Die Zuordnung des Landes an Rumänien nach 1918 und 1945 schuf neue Grenzen, die von vielen Menschen in Siebenbürgen bis heute als unnatürlich angesehen und nur zum Teil akzeptiert werden. Die katastrophale Politik des späteren Diktators Nicolae Ceaucescu führte die Volksgruppen nicht zusammen, sondern förderte die Gräben zwischen Ungarn, Deutschen, Rumänen und den kleineren Minderheiten. Die überall anzutreffenden Roma, bilden dabei die unterste Klasse der sozialen Schichten.

Die unter dem kommunistischen Regime unterdrückten Spannungen entluden sich nach der politischen Wende und es kam zu zahlreichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Ungarn und Rumänen.

Cristuru Secuiesc befindet sich am Westrand des Bezirkes Harghita, an der Schnittstelle zwischen dem überwiegend ungarisch besiedelten Teil Siebenbürgens und dem rumänischen sprechenden Menschen im Bezirk Tirgu Mures.

Es ist nicht leicht, in Osteuropa sinnvolle und langfristig wirksame Projekte aufzubauen. Wir sind froh, auf fast zwei Jahrzehnte intensiver Arbeit in Rumänien zurückzublicken und inzwischen Partner gefunden zu haben, die mit großem Engagement Perspektiven für die Menschen in ihrer Heimat schaffen wollen und in der Lage sind, Projekte zuverlässig umzusetzen.

März 2004, aktualisiert im November 2007, Rüdiger Steinke

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